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Ottobock

Duderstadt, Niedersachsen

Daten und Fakten

Inhaberfamilie
Familie Näder in 4. Generation

Gründer
Otto Bock, 1919, Berlin

Branche
Medizintechnik

Produkte
Prothesen, Rollstühle, Rehaprodukte, Exoskelette und Patientenversorgung

Standorte
Firmensitz in Duderstadt, Vertriebs- und Servicegesellschaften in mehr als 50 Ländern weltweit

Vertrieb
Fachhandel, B2B, B2C

Mitarbeitende
mehr als 7.000 weltweit, davon über 1.500 in Duderstadt (2019)

Umsatz
1,002 Mrd. Euro (2019)

Marktposition
Technologie- und Weltmarktführer in der technischen Orthopädie

Innovationen
Beinprothesensystem Genium X3, die Ganzbeinorthese C-Brace®, Myo Plus Mustererkennung, bebionic Hand, Exoskelette der Produktfamilie Paexo

Ausbildungsplätze
73 

Unternehmensanteile der Familie
80 %

Kontrollgremien
Verwaltungsrat, Aufsichtsrat

Auszeichnungen
Hidden Champion (2012); Leibniz-Ring-Hannover (2017); Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (2019)

Menschen mit Handicap mittels technischem Können helfen – von Anfang an war sich der junge Orthopädietechniker Otto Bock seiner Lebensaufgabe bewusst. Man schrieb das Jahr 1919, der Erste Weltkrieg hatte Millionen von Leben gekostet, Tausende Menschen hatten Arme und Beine verloren. Traditionelle handwerkliche Methoden konnten den gewaltigen Bedarf an Prothesen nicht decken. Hier griff Bocks Idee: Er entwickelte Prothesen aus vorgefertigten Modulen. Auf diese Weise konnten Einzelteile in Serie produziert und schneller angepasst werden. So legte Otto Bock den Grundstein für die orthopädische Industrie.

Nach der Gründung in Berlin zog das Unternehmen bald in das thüringische Königsee um, die Heimat von Otto Bock. Dort wuchs der Betrieb stetig, bald arbeiteten für ihn rd. 600 Beschäftigte. Die Produkte wurden permanent weiterentwickelt, der Firmengründer ließ immer neue Materialien testen. Bereits Anfang der 30er-Jahre setzte er erstmals Aluminiumteile in der Prothetik ein. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden das gesamte Privatvermögen der Familie und die Fabrik in Königsee enteignet. Aber auch in der zweiten Nachkriegszeit blieb der Bedarf an Produkten hoch und der Unternehmergeist der Familie lebendig.

In der bisherigen Zweigstelle im Niedersächsischen Duderstadt baute Otto Bocks Schwiegersohn Dr.-Ing. Max Näder eine neue Vertriebsstätte auf und gründete die Otto Bock Orthopädische Industrie KG. Mit Innovationskraft und Erfindergeist trotzte er den widrigen Umständen. Als Alternative zum knappen Rohstoff Holz setzte er erstmals Polyurethan-Kunststoffe in der Beinprothetik ein. In der Folge entstand 1953 die Otto Bock Kunststoff GmbH.

Mit der Gründung der ersten Auslandsgesellschaft im Jahr 1958 in Minneapolis begann die Internationalisierung. Bis heute hat sich das Familienunternehmen mit einem Netzwerk aus Vertriebs- und Servicegesellschaften in mehr als 50 Ländern zum Global Player entwickelt. 1992 kaufte Familie Näder den enteigneten Stammsitz in Königsee zurück und baute dort die Rollstuhlfertigung auf. Heute bietet das Unternehmen eine Bandbreite von besonders leichten bis zu individuell steuerbaren Rollstühlen an. Der Hauptstandort des Unternehmens bleibt Duderstadt. Dort arbeiten über 1.500 der mehr als 7.000 Beschäftigten weltweit.

Gemeinsam setzen die Ottobock Mitarbeitenden bis heute regelmäßig technische Standards. Dazu zählt etwa das C-Leg, die weltweit erste vollständig mikroprozessor-gesteuerte Beinprothese, die nach ihrer Premiere im Jahr 1997 kontinuierlich weiterentwickelt wurde. In den Modellen Genium X3, C-Leg4 und Kenevo ist die innovative Technologie heute für alle Mobilitätsgrade verfügbar. Ebenfalls eine Weltneuheit ist die Ganzbeinorthese C-Brace®. Die erste mechatronische Orthesenlösung kann es Menschen mit einer Lähmung der kniestreckenden Muskulatur ermöglichen, wieder zu gehen. Sie kontrolliert den gesamten Gangzyklus dynamisch und in Echtzeit.

Zum Portfolio gehören zudem innovative Handprothesen, etwa die Michelangelo Hand oder die bebionic Hand – beides aktuelle Highend-Lösungen mit separat ansteuerbaren Fingern für unterschiedliche Griffmuster.

Mit umfassenden Serviceleistungen in der Patientenversorgung, mehr als 160 eigenen Versorgungszentren weltweit und professionellem Werkstattmanagement hat sich Ottobock inzwischen auch zu einem hoch spezialisierten Dienstleistungsunternehmen entwickelt. Als Technologieführer in „Wearable Human Bionics”, tragbarer menschlicher Bionik, setzt Ottobock auch nach über 100 Jahren Maßstäbe in der Medizintechnik und führt sie in eine digitale Zukunft.

Seit 1990 lenkt Prof. Hans Georg Näder, Enkel des Firmengründers, das Unternehmen – seit 2017 ist er Vorsitzender des Verwaltungsrates. Als Inhaber hält er die Mehrheit der Anteile, seine beiden Töchter sind Gesellschafterinnen der Näder Holding GmbH & Co. KG, die 80 % der Ottobock SE & Co. KGaA besitzt. Die restlichen 20 % gehören dem schwedischen PE-Unternehmen EQT, mit dem Ottobock partnerschaftlich zusammenarbeitet. Die Ottobock SE & Co. KGaA wird durch einen Verwaltungsrat gesteuert und einen Aufsichtsrat kontrolliert.

Kontakt

Ottobock SE & Co. KGaA
Max-Näder-Str. 15
37115 Duderstadt

Fon: 05527 848-0
Fax: 05527 848-3360

infoottobock.com
www.ottobock.com

Ansprechpartner Medien

Mark C. Schneider
Fon: 030 398206-222
MarkC.Schneiderottobock.de

 

Die adaptive Steuerung Myo Plus unterstützt Patientinnen und Patienten wie Wolfgang, deren Unterarm amputiert ist, ihre Prothese intuitiv über die Gedanken zu steuern.
Professor Hans Georg Näder, Firmeninhaber und Vorsitzender des Verwaltungsrates
Ottobock hat seinen Hauptsitz in Duderstadt.
Marcus Brennecke, Deutschland-Chef von EQT, und Ottobock Inhaber Professor Hans Georg Näder
Der Vorsitzende des Ottobock Aufsichtsrats Dr. Bernd Bohr ...
... und sein Stellvertreter Dr. Joachim Kreuzburg
Die Mitglieder der Ottobock Geschäftsführung: Philipp Schulte-Noelle (CEO), ...
... Jörg Wahlers (CFO), ...
... Oliver Jakobi (CSO), ...
... Dr. Andreas Goppelt (CTO) ...
... und Arne Jörn (COO)
Das Beinprothesensystem Genium X3 ermöglicht einen nahezu natürlichen Gang, auch bei schwierigen Untergründen und wechselnden Geschwindigkeiten.
Die Empower Fußprothese gibt einen aktiven Antrieb. So kann der Anwender mit seinen Kindern toben, ohne schnell zu ermüden.

Chronologie

1919
Der Orthopädiemechaniker Otto Bock gründet in Berlin die Orthopädische Industrie GmbH.

1920
Das Unternehmen zieht nach Königsee in Thüringen um.

1946
Dr. Max Näder, Schwiegersohn von Ottobock, eröffnet die Zweigstelle Nord in Duderstadt.

1953
Einführung von Passteilen aus Kunststoff in der Prothetik und Gründung der Otto Bock Kunststoff GmbH

1958
Mit der ersten Ottobock Auslandsgesellschaft in den USA beginnt die Internationalisierung.

1960er-Jahre
Die Myoelektrik für Armprothesen und das Modularsystem für Beinprothesen führen die Qualität der Versorgungen auf ein neues Niveau.

1990
Prof. Hans Georg Näder übernimmt die Leitung des Familienunternehmens.

2010
Ottobock erweckt das Gelände der ehemaligen Bötzow Brauerei im Prenzlauer Berg zu neuem Leben.

2017
Gemeinsam mit dem Private-Equity-Partner EQT stellt Ottobock die Weichen für die Zukunft.

2019
Die adaptive Steuerung Myo Plus ermöglicht es, Armprothesen intuitiv mit den Gedanken zu steuern.

Otto Bock und Schwiegersohn Dr. Max Näder
Der erste Firmensitz in Berlin um 1919
Dr. Max Näder mit einem Knie-Waden-Passteil
„Seit mehr als 100 Jahren ist die Mission von Ottobock, Menschen dabei zu helfen, ihre Mobilität zu erhalten oder zurückzuerlangen und den menschlichen Körper mit Wearable Human Bionics zu mobilisieren.“ Professor Hans Georg Näder, Firmeninhaber und Vorsitzender des Verwaltungsrates

Paralympisches Engagement

Das Engagement von Ottobock für den Behindertensport ist längst zu einem festen Bestandteil der Unternehmensphilosophie geworden. Ziel ist es, Menschen mit Handicap in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken und sie als großartige Athletinnen und Athleten und Vorbilder dafür zu zeigen, dass Sport und Leistung Lebensmut zurückgeben können. Stellvertretend dafür stehen die Paralympischen Spiele, die Ottobock bereits seit Seoul 1988 aktiv begleitet und unterstützt. In Zusammenarbeit mit Heinrich Popow, dem Goldmedaillengewinner bei den Paralympics in London 2012 und Rio 2016, hat Ottobock die Running Clinics ins Leben gerufen. Unter fachkundiger Anleitung trainieren, üben und probieren sich oberschenkelamputierte Laufeinsteigerinnen und Laufeinsteiger mit Sportprothesen an einem gemeinsamen Wochenende aus.

Schon gewusst?

Der Mauerfall 1989 ermöglichte den Rückkauf der Stammfirma in Thüringen und die Rückkehr des Unternehmens nach Königsee.

Bötzow Berlin – Raum für Ideen

Wo Julius Bötzow vor mehr als 150 Jahren die Brauereilandschaft revolutionierte, entsteht jetzt ein lebendiger, kreativer Ort, der Geschichte und Zukunft vereint. Das 24.000 m² große Areal der ehemaligen Bötzow Brauerei befindet sich mitten im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.

Basierend auf einem Masterplan von Stararchitekt Sir David Chipperfield entwickelt Prof. Hans Georg Näder das denkmalgeschützte Ensemble aus sieben Altbauten zu einem neuen Kiez. Ziel ist es, Zukunftsthemen wie die Digitalisierung der Orthopädietechnik voranzutreiben und entsprechende Talente und Kreative für das Familienunternehmen zu gewinnen. Neben dem Geschäftsbereich Human Mobility und strategischen Unternehmensbereichen wie Marketing und Unternehmenskommunikation haben auch die klugen Köpfe aus Forschung und Entwicklung des Ottobock Future Labs auf Bötzow ihre Räume für Ideen gefunden. Ein weiterer Fokus liegt auf der umfassenden und individuellen Versorgung internationaler Patientinnen und Patienten, für die ein Werkstattbereich, eine Therapiehalle sowie ein Therapiegarten eingerichtet wurden. Weitere Flächen für Eigentumswohnungen, Tiefgaragen und Gastronomie sind bereits in Planung, genauso wie vier Neubauten, die sich dem historischen Komplex von der Prenzlauer Allee aus anschließen werden.

Gesellschaftliches Engagement

Seit der Gründung im Jahr 1919 gehen beim Familienunternehmen verantwortungsvolles gesellschaftliches Handeln und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand. Unternehmerische Nachhaltigkeit (Corporate Social Responsibility, CSR) ist bei Ottobock Teil des Managementprozesses. Sie hilft dem Unternehmen, Routinen kritisch zu hinterfragen, Innovationen anzustoßen und den wirtschaftlichen Erfolg zu stärken. Der Anspruch von Ottobock ist es, nicht nur Standards und gesetzliche Mindestanforderungen zu erfüllen, sondern CSR in die unternehmensweiten Managementprozesse zu integrieren. 2015 hat sich Professor Hans Georg Näder entschieden, mit Ottobock der UN Global Compact Initiative beizutreten. Der UN Global Compact ist mit über 15.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die weltweit größte Initiative für unternehmerische Verantwortung. Das Unternehmen verpflichtet sich, die zehn Prinzipien auf den Gebieten Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsprävention einzuhalten und sie in die Praxis umzusetzen. Jährlich berichtet Ottobock in einem Fortschrittbericht über die Nachhaltigkeitsziele und -projekte.

Professor Hans Georg Näder: © Malte Jaeger/laif; Bötzow Berlin: © DCA/Laborgh