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Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur

Frauenau, Bayern

Daten und Fakten

Inhaberfamilie
Freiherr Poschinger von Frauenau in 15. Generation

Gründer
Joachim Poschinger, 1568, Zwieselau bei Frauenau

Branche
manufakturelle Glasherstellung, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Immobilien

Produkte
handgefertigtes und mundgeblasenes Glas, Sonder- und Spezialanfertigungen

Standort
Frauenau im Bayerischen Wald

Mitarbeitende
35 (2019)

Familieneinfluss
Inhaber ist alleiniger Geschäftsführer

Unternehmensanteile der Familie
100 % gehören Benedikt Freiherr Poschinger von Frauenau

Die Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur ist ein Familienunternehmen wie aus dem Bilderbuch – und wie seine Produkte ein Unikat: Seit 1568 in Familienbesitz, wird das Unternehmen bis heute in ununterbrochener Nachfolge von Vater zu Sohn weitergegeben. Dem Prozess liegt kein Gesellschaftervertrag zugrunde und er ist weltweit einmalig.

Mit Glasmanufaktur, Immobilien, Forstwirtschaft und Landwirtschaft umfasst das Unternehmen vier Bereiche. Als einzige in Deutschland fertigt die Glasmanufaktur ihr Sortiment und jeden Auftrag ausschließlich im eigenen Betrieb, produziert mundgeblasenes, handgefertigtes und auch gegossenes Glas aller Art. Über die Jahrhunderte belieferte Poschinger europäische Fürsten- und Königshäuser sowie den russischen Zarenhof und stattete Kreuzfahrtschiffe und Zeppeline mit edlem Glas aus dem Bayerischen Wald aus.

Sowohl die Glasproduktion und die eigenen Immobilien als auch die Forst- und Landwirtschaft werden von Betriebsleitern geführt, denen die „Freiherr Poschinger von Frauenau Gesamtverwaltung“ übersteht. Sie liegt in Händen des derzeitigen Inhabers Benedikt Freiherr Poschinger von Frauenau, der zugleich die Geschäfte führt und das Unternehmen 2007 von seinem Vater in 15. Generation übernahm.

Nachdem Joachim Poschinger 1568 das Glashüttengut Zwieselau erworben hatte, entwickelte sich die Familie zur führenden Größe in der europäischen Glasherstellung. Prägend hierfür war Johann Michael II. Reichsritter und Edler von Poschinger, der 1846 die heute noch aktive Glasmanufaktur im Frauenauer Ortsteil Moosau in Betrieb nahm. Nachdem der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise zur Schließung zahlreicher Glashütten geführt hatten, übernahm Baron Hippolyt das Gut in der 13. Generation. Er leitete es durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs und baute die Einzelunternehmen wieder auf. Zudem engagierte er sich mit großem Erfolg in forstpolitischen Gremien und war jahrelang Präsident des Bayerischen Senats, bis 1999 neben dem Landtag die zweite Kammer Bayerns.

Die Globalisierung erfordert neue Strategien in der traditionellen Glasherstellung. Um sich im zunehmend von Billigprodukten dominierten Markt zu behaupten, konzentriert sich das Unternehmen seit mittlerweile 20 Jahren auf Sonder- und Spezialanfertigungen und setzt Kundenwünsche individuell um. Poschinger kooperiert mit renommierten Architektinnen und Designern weltweit und hat sich in der jüngsten Vergangenheit interessante neue Märkte erschlossen. Um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, werden die 35 Mitarbeitenden laufend geschult. Die Produktion wird direkt an die Kundinnen und Kunden vertrieben und etwa zu 30 % exportiert – mit dem Ziel, als Spezialanbieter beständig weitere Märkte, vornehmlich in den USA und in Asien, zu erschließen.

Kontakt

Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur
Moosauhütte 14
94258 Frauenau

Fon: 09926 9401-0
Fax: 09926 9401-11

infoposchinger.de
www.poschinger.de

Benedikt Freiherr Poschinger von Frauenau leitet das Familienunternehmen in der 15. Generation.
Das alte Schloss in Oberfrauenau ist Familiensitz.
Fertigung der gläsernen Tischfüße des Bell Table von Sebastian Herkner für ClassiCon in verschiedenen Farben
Der FAUN – ein Preis für deutsche Familienunternehmen – wurde von der Glasmanufaktur Poschinger kreiert. 

Chronologie

1568
Joachim Poschinger erwirbt die Zadlershütte in Zwieselau bei Frauenau.

1605
Sein Sohn Paulus Poschinger übernimmt das Glashüttengut Frauenau.

1666–1701
Franz Poschinger führt Tagebuch über das Leben auf dem Gut, heute ein kulturhistorisches Dokument des Bayerischen Walds.

um 1720
Glasmachermeister Hans-Carl Poschinger hinterlässt Rezepturen für die Herstellung von farbigen Gläsern.

1848
Johann Michael II. nimmt die Moosauhütte in Betrieb, die bis heute Sitz der Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur ist.

1877
Die durch Georg Benedikt II. initiierte Eisenbahnverbindung Deggendorf–Zwiesel–Grafenau nimmt den Betrieb auf.

1901
Eduard Ferdinand wird in den Freiherrenstand erhoben.

2007
Benedikt Freiherr Poschinger von Frauenau übernimmt die Leitung der Gesamtbetriebe.

2018
Die Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur feiert ihr 450. Firmenjubiläum.

2019
Für ihre von Deutschlands Top-Designer Sebastian Herkner kreierten Jubiläumsgläser wird die Manufaktur mit mehreren international renommierten Designpreisen ausgezeichnet.

Johann Michael II. Reichsritter und Edler von Poschinger, 1794–1863
In der Glasmanufaktur wird jedes Teil ...
... sorgfältig von Hand gefertigt.
„Fortiter et honeste!“
(Tapfer und ehrlich!) 
Wappenspruch der Freiherrn von Poschinger

Traditionsreiches Familienunternehmen

 

Als eines von vier deutschen Unternehmen wurde die Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur in die „Association Les Hénokiens“ aufgenommen. Nur etwa 40 Unternehmen weltweit gehören dieser Vereinigung an, deren Unternehmen mehrheitlich in Familienhand und älter als 200 Jahre sind, stets von einem Abkömmling der Familie geführt werden und finanziell solide aufgestellt sind. Die Geschäftsführung der assoziierten Unternehmen wird als beispielhaft angesehen und soll Familienunternehmen in der zunehmend von Globalisierung und schnellen finanziellen Entscheidungen geprägten Wirtschaft zeigen, dass Familienstrategien in Verbindung mit Unternehmenskonzepten der Schlüssel zu Langlebigkeit sind.

Benedikt Freiherr Poschinger von Frauenau: © Toni Scholz; Produktion: © Sepp Eder; Repro Familiensitz: © Sepp Eder; Repro Ahne: © Sepp Eder